Meine Tocher Lisa hatte vor kurzem eine Projektwoche laufen zum Thema: "Das Leben von damals" und sie hat dabei ein sehr interessantes Gespräch geführt:
R: Großmutter, du erinnerst dich sicher noch an deine Kindheit und an das Leben von früher. Kannst du mir darüber erzählen? Wie war z. B. ein Haus zu deiner Zeit eingerichtet
Großmutter: In der Küche stand ein Herd, den man mit Holz heizte. Wasserbecken mit warmem Wasser gab es nicht. Man stellte einen Kessel mit kaltem Wasser auf den Herd, um warmes Wasser zu haben. Es gab keine Porzellanteller wie heute, sondern einfache Blechteller und Blechschalen. Es wurde aus einer großen Schüssel gegessen und jeder besaß seinen eigenen Löffel. Diesen streifte jeder nach dem Essen am Tischtuch ab und schon war er sauber. In den Kammern, unseren so genannten Schlafzimmern, froren wir im Winter oft, denn die Fenster waren undicht und Heizung gab es ja keine. An sehr kalten Tagen gefror sogar das Weihwasser in den Krüglein. Unsere Strohsäcke waren hart und nicht so weich wie die Matratzen von heute, dafür gab es aber weniger Rückenschmerzen. Badezimmer gab es auch noch nicht, aber mit dem Abwaschen nahm man es früher nicht so genau.
R: Schmeckte dir das Essen von früher?
Großmutter: Ja eigentlich schon. Wir kannten ja nichts anderes. In der Früh gab es Brennsuppe mit „Bricke“. Zu Mittag aßen wir „Plente“ und dreimal in der Woche Knödel. Am Abend begnügten wir uns mit Mus und Milch. Fleisch bekamen wir nur ganz selten und einige Male, das erinnere ich mich noch genau, knurrte mir der Magen vor Hunger, als ich im Bett lag und einschlafen sollte.
R: Welche Kleidung hattet ihr früher?
Großmutter: Wir zogen uns schafwollene Strümpfe und Röcke an, hatten aber keine Jacken und nicht einmal Unterhosen. Könnt ihr euch vorstellen, wie wir im Winter oft zu kalt hatten? Die Männer trugen meistens eine so genannte „Rupfapfad“ und eine Hose aus Loden. Das war gar nicht bequem, denn der grobe Stoff kratzte oft auf der Haut. Einmal im Jahr kam der Schuster ins Haus, um für alle Familienmitglieder neue Schuhe oder Pantoffeln zu schustern oder die alten zu flicken. Im Winter, wenn es kalt und der Schnee trocken war, gingen die Leute sogar mit den Filzpantoffeln in die Kirche.
R: Gab es zu deiner Zeit schon Spielsachen?
Großmutter: Wir hatten früher nicht so tolle Spiele wie ihr heute, sondern begnügten uns mit einfachen, selbst gemachten Spielen. Die Jungen schnitzten sich aus Holz „Ochsen“ und bauten sich im Wald dazu einen Stall. „Fackl treiben“, „Templ hupfn“, „Fuchs und Henne“ und mit die „Toutza spiel“, das waren einige der beliebtesten Spiele in meiner Kindhei
R: Kannst du mir von deiner Schulzeit erzählen?
Großmutter: Ach, früher wurde die Schule nicht so wichtig genommen wie heute. Wir mussten aber schon um fünf Uhr aufstehen, um rechtzeitig in der Schule zu sein. Schülerbus gab es keinen und manche Schüler hatten einen langen Schulweg.Es gab nur wenige Lehrer, einen für Italienisch und einen, der alle anderen Fächer unterrichtete außer Religion. Die Religionsstunden wurden vom Pfarrer abgehalten und waren früher das Wichtigste. Für die Eltern zählte nur eine gute Note in diesem Fach.Wir schrieben noch mit Kreide auf kleine Tafeln. Aber wehe, der Lehrer wurde zornig! Da schlug er mit einem Holzstab oder wir mussten auf ein spitzes „Holzscheit“ knien. Und mit dem Beten war es auch so eine Sache. Alle Tage in der Früh um sechs Uhr besuchten wir vor der Schule die Messe und am Sonntag gingen wir sogar dreimal in die Kirche. Am Abend betete die ganze Familie den Rosenkranz und wehe uns Kindern, wenn wir während des langen Betens eingeschlafen waren.
R: Und wie war es mit der Arbeit auf dem Bauernhof?
Großmutter: Wir mussten das Gras mit der Hand mähen. Als das Heu trocken war, banden es die Männer in einer „Heublouche“ zusammen. Diese wurde dann von einem Pferd oder einer Kuh mit dem Leiterwagen in den Stadel gebracht. Jeden Tag melkte der Bauer die Kühe mit der Hand und verarbeitete die Milch zu Butter und Käse.
R: Was weißt du noch vom Almleben?
Großmutter: Ich verbrachte viele Sommer auf der Alm. In der Früh musste ich ins Tal hinunter gehen, um bei der Arbeit zu helfen. Am Abend stieg ich wieder auf die Alm. Dort melkte ich die Kühe mit der Hand. Nachher musste ich „Schlacka schlogn“ und die Milch zu Butter verarbeiten. Auch die Heuarbeit war oft anstrengend und hart. Oft war es aber auch sehr lustig auf der Alm, besonders wenn andere Senner zu Besuch kamen. Es wurden die sonderbarsten Geschichten erzählt, viel gelacht, manchmal sogar gesungen und getanzt bis in die frühen Morgenstunden.
R: Welche Tiere habt ihr früher gehalten?
Großmutter: Wir hatten Schafe, Schweine, Ziegen und Kühe im Stall. Die Schafe gaben uns die Wolle, die Schweine den Speck und die Kühe Milch und Butter. Also versorgten wir uns selbst.
R: Nun habe ich sehr viel über das Leben von früher erfahren. Ich könnte mir nicht vorstellen in dieser früheren Zeit zu leben und doch glaube ich, dass ihr damals zufrieden und glücklich ward.







